Auf ein Wort

Im Gespräch mit unserer Inhaberin und Geschäftsführerin

Ich habe mit unserer Inhaberin und Geschäftsführerin, Sandra Jung, ein Interview geführt. Hintergrund war, die momentane geschäftliche sowie gesellschaftliche Gesamtsituation zu hinterleuchten und Zukunftsprognosen in ein realistisches Licht zu rücken. Frau Jung sieht dabei über den Tellerrand hinaus ohne eine rosarote Brille vor ihren Augen zu haben – doch lesen Sie selbst:

Thema Beständigkeit, fest zugeordneter Arbeitsplatz und wechselnde Arbeitsumgebung – Welche Vor-, bzw. Nachteile ergeben sich, wenn ein Mitarbeiter keinen festen Arbeitsplatz mehr hat?

  • Ich möchte hier nicht von Vor- und Nachteilen sprechen – vielmehr geht es darum den Mehrwert für Unternehmen zu finden. Mitarbeiter eines Unternehmens sollen für bestimmte Aufgaben zusammenfinden um effektiver und motivierter in moderner und zeitgemäßer Arbeitsumgebung arbeiten zu können. Ein eingerichteter Arbeitsplatz wird, je nach Größe und Strukturierung einer Firma, der Vergangenheit angehören. Arbeitsraum ist teuer und dieser wird so effektiv wie möglich genutzt werden. Auf der anderen Seite gibt es Mitarbeiter die brauchen einen festen Arbeitsplatz, anderen wiederum macht es nichts aus, sich an ständig wechselnde Arbeitsplatzbedingungen zu gewöhnen.In einigen europäischen Nachbarländern gibt es hingegen schon seit vielen Jahren sich ständige wechselnde Arbeitsplätze. Allerdings gibt es auch dort immer wieder den einen oder anderen Platzhirsch. Wichtig bei der Arbeitsplatzgestaltung den Bedürfnissen der Mitarbeiter heute und in Zukunft gerecht zu werden.

Wann hast Du das erste Mal von dem Begriff „Activity Based Working“ gehört und was verbirgt sich dahinter?

  • Das sagt eigentlich der Begriff schon – Aktivitäten basierendes Arbeiten – wie schon in der vorherigen Frage beantwortet, kommen unterschiedlichsten Persönlichkeiten zur Erledigung einer Aufgabe zusammen und gehen dann wieder Ihrer Wege innerhalb des Unternehmens, um sich dem nächsten Team und der nächsten Aufgabe anzuschließen. Zusammenarbeit wird so effektiver gestaltet und Räumlichkeiten werden strukturiert und effektiv genutzt. „ABW“ gibt es schon seit einiger Zeit, die Entwicklung dorthin wird durch die andauernde Pandemie nur beschleunigt. Home-Office und fehlende soziale Kontakte fordern von Arbeitgebern immer neue Lösungen um den laufenden Betrieb aufrecht zu halten und weiter nach vorne zu bringen. Hier kommen multifunktionale Räume und das Teambuilding zusammen, soziale Distanz durch hybrides Arbeiten wird so überbrückt und die Verbundenheit zum Unternehmen gestärkt.

Setzt Du selbst das Konzept „Activity Based Working“ auch in unserem Unternehmen um, wenn ja was davon ist passend und was ist nicht so passend für unser Unternehmen?

  • Zum Teil ja, durch Home-Office ist unser Vertrieb unabhängig vom Unternehmen und effektiver. Da wir viele Dinge im Team erledigen, ist ein Arbeiten und die Problemlösung unserer Kunden zum großen Teil nur im Team zu erledigen. Wir nutzen hierzu unseren KreativRaum und lassen uns dort nieder, wo wir die eventuelle Lösung von Kundenanforderungen direkt vorm Auge haben. Der KreativRaum, unsere ehemalige Ausstellung, ist mit unterschiedlichsten Szenerien ausgestattet. Eben um solche ABW-Situationen erlebbar zu machen und auch selbst im Team austesten zu können, inwieweit diese alltagstauglich sind.

Werden unsere Kunden vom Anfang bis zum Ende der Umsetzung unterstützt? Während  der „Beantwortung der vier Säulen“ begleitet und die Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens mitgenommen?

  • Die vier Säulen „Identität, Zusammenarbeit, Wohlfühlen und der Zweck“ sind nicht immer im Vorfeld klar erkennbar. Wenn Du mich fragst, ob wir unsere Kunden vom Anfang bis zum Ende unterstützen, kann die Antwort nur „Ja“ sein. Es geht hier um die gemeinsame Entwicklung von einer, ich nenne es mal „Wohlfühlatmosphäre im Arbeitsumfeld“. Das funktioniert nur und ausschließlich, wenn alle Mitarbeiter eines Unternehmens in den Entwicklungsprozess integriert sind und somit alle „4 Säulen“ in dem Konstrukt der Entwicklung und Strukturierung inkludiert sind.

In der Branche und in Mainz macht das „neue Standbein“ der Firma Jung Furore – wann hast Du Dich dazu entschlossen Büro Jung auf ein zweites Bein zu stellen?

  • Bereits vor einigen Jahren hat sich gezeigt, dass ganzheitliche Beratung ein Mehrwert für unsere Kunden bedeutet. Die konkrete Entscheidung für eine Weiterentwicklung unseres Unternehmens war ein schleichender Prozess. Eben die Erkenntnis, dass ein Tisch nur ein Tisch ist und ein Stuhl ein Stuhl und somit austauschbar. Ein Kunde kommt mit einem Problem zu uns, sei es auch noch so klein, und er möchte dafür eine Lösung erarbeitet bekommen. Und jede Lösung ist wie ein Fingerabdruck – einzigartig. Sicherlich ist der Weg hier immer der gleiche – von der Analyse bis hin zur Lieferung und Montage. Dies ist im Prinzip der Grundstock für das Standbein. Hinzu kommen das steigende Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Effektivität, sowie ständig steigende Immobilienpreise. Diese zeigen deutlich auf, dass wir hier von einem Kosten-Nutzen sprechen müssen. Daraus resultiert das Flächen sinnvoll geplant und durchdacht werden. Der Onlinehandel zeigt uns täglich, dass wir nur ein Mehrwert unsererseits an Beratungs- und Dienstleistung dem Kunden bieten können. Dann wird ein Kunde auch von Anfang bis Ende den Weg partnerschaftlich an unserer Seite bleiben und nicht zu guter Letzt im Internet seine Einrichtung beziehen. Dem gesamten Handel kann ich nur ans Herz legen sich mehr und mehr dem Multi-Channel-Vertrieb zu öffnen. Online und Offline müssen einen gesunden Mix bilden. Ein gut durchdachter Online Shop ist die Eintrittskarte in den Vertrieb, viel wichtiger ist es aber gut geschultes und motiviertes Personal im Team zu haben, dass den Kunden vor Ort mit Begeisterung begegnet, um die Ware im Netz lebendig werden zu lassen. Heute ist es leicht vor Ort sich einen Artikel im stationären Handel anzusehen. Legen aber die Verkäufer*innen keine Leidenschaft an den Tag, besteht zu Recht die Gefahr, dass die Kunden am Schluss im Netz kaufen, nur um etwas einzusparen. Wir bieten in unserem KreativRaum Schulungen in diversen Bereichen an und vermieten eben diesen KreativRaum für Schulungen und als ein Ort des Wohlfühlens und des kreativen Zusammenkommens an Dritte. Eine Strukturierung und Konzeption in immer mehr Bereichen des alltäglichen Berufslebens machten den Schritt nach vorne unumgänglich und nötig. Dienstleistung ist durch nichts zu ersetzen, außer durch mehr Dienstleistung – der Mehrwert für unsere Kunden.

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Wie kommt das Konzept bei unseren Kunden an? Kommen Unternehmen vermehrt aktiv auf uns zu um sich einfach neu und zukunftsorientiert aufzustellen?

  • Das wir als Dienstleister für „Problemlösungen“ akzeptiert und anerkannt wurden, dauerte seine Zeit. Mittlerweile ist unsere Homepage so gezielt und informativ aufgebaut, dass wir im WorldWideWeb mittlerweile immer mehr gefunden und somit auch gefordert werden. Tägliche Emailpost und das Bearbeiten unserer Kontaktanfragen gehören zum großen Teil zu unserem täglichen Tun.

Muss man denn überhaupt den Begriff noch tiefschürfend unseren Kunden erklären?

  • Das erledigt sich zumeist mit der Suche nach der Lösung für das kundenspezifische Problem. Die Erklärungen von Begrifflichkeiten sind sekundär, die Umsetzung und Lösung einer Aufgabe ist die Herausforderung. Das hierzu die Erläuterung von Konzepten und Gründen für eine Einrichtung und Strukturierung resultieren sind selbstverständlich. Dies gehört zu den Dienstleistungen des täglichen Arbeitens.

Wie viele Unternehmen hat Büro-Jung denn schon bei der Umsetzung eines neuen Konzepts unterstützt?

  • Hier eine Zahl zu nennen wäre sicherlich ins Blaue geschossen. Aber es werden ständig mehr und die Arbeit intensiver. Das dies so ist, sieht man an dem Spaß, den wir bei der Arbeit haben. Zusammenarbeit mit unseren Kunden ist eine Art Lebenselixier, dass uns vorantreibt.

Findest Du persönlich es fördernd, wenn Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten?

  • Ja und Nein – ich bin jemand der gerne und intensiv kommuniziert. Wenn große Teile unseres Teams im Homeoffice sind, ist es für mich allerdings nervig, ständig das Telefon in die Hand zu nehmen um Dinge direkt aus meinem Kopf zu bekommen. Allerdings ist die Effektivität hier vorrangig und somit hält sich es bei mir die Waagschale.

Zum Thema Tiefenkrise, Pandemie - gab es auch schon vor Corona Luftreiniger in unserem Produktportfolio?

  • Ja, bereits seit mehreren Jahren statten wir, insbesondere Arztpraxen, unsere Kunden mit Luftreinigern aus. Wartezimmer waren schon immer ein großes Einsatzfeld.

Meinst Du die Pandemie gibt Unternehmen auch Chancen, wenn ja welche?

  • Ja – eine Neuausrichtung innerhalb des Unternehmens hin zu strukturiertem und effektivem Arbeiten und somit die effiziente Nutzung der bestehenden Räumlichkeiten.
    Wer diese Situation jetzt nutzt, wird für die Zukunft, die Zeit nach der Pandemie, gerüstet sein. Die Coronapandemie war in meinen Augen nichts weiter als ein Brandbeschleuniger. Flächeneffizienz war schon immer ein Thema und Corona hat kräftig alle Strukturen und Sichtweisen durcheinandergewirbelt. Durch den Stellenabbau und Verlust von einigen Sparten und Branchen müssen wir jetzt mehr denn je die Herausforderung stellen, unter welchen Voraussetzungen wir in Zukunft leben und arbeiten werden. In den nächsten Jahren müssen Bestandflächen neu geplant und ausgestattet werden, dass sich wieder mehr Unternehmen zutrauen, sich zu auf dem Markt zu positionieren. Je mehr Netzwerke sich hieraus entwickeln, je stärker wird der Einzelne sich sehen. Es ist eine Chance wieder näher an den Anderen zu rücken.Auch unsere Immobilie wird zu so einer vernetzten Fläche werden. Der hieraus resultierende Benefit besteht darin, vier kooperierende, wachsende Unternehmen unter einem Dach zu beherbergen. Das diese dann voneinander profitieren ist das letztendliche Ziel.

Welche Anfragen überwiegen im Moment? Die Lösung für das individuelle und wohnliche Homeoffice oder sind es mehr Anforderungen zur Umgestaltung von Großraumbüros?

  • Das hält sich in etwa die Waage. Sicherlich sind derzeit ergonomische Bestuhlung im Homeoffice das gefragteste Produkt. Unserer Einschätzung nach, wird Mitte des Jahres 2021 der Run zur Flächenoptimierung sich noch einmal verstärken. Wir freuen uns bereits heute darauf, vielen Unternehmen wieder Mut zu machen und gemeinsam Orte der Begegnung und Motivation zu schaffen.

Gibt’s eigentlich auch Möbel fürs Homeoffice direkt zum Mitnehmen?

  • Ja, wir haben immer, das eine oder andere Schnäppchen und ein gewisses Kontingent an Lagerstühlen.

Ist ein höhenverstellbarer Tisch ein Vorteil?

  • Sinnvoller ist es allemal. Jeder Körper ist sowohl im Abmaß als auch von der Physionomie her anders zu bewerten. Die natürliche Krümmung der Wirbelsäule wird im Stehen aufgenommen und gleichmäßiger belastet als im Sitzen. Ein gesunder Mix zwischen Sitzen und Stehen macht es aus. Zumindest eine Anpassung an die eigenen Körpermaße ist sinnvoll und fast unabdingbar.

Kann man mit der „minimalen Gestaltung“ des Arbeitsplatzes - wie es die Verwaltungs- und Berufsgenossenschaft vorschlägt - auch effektiv arbeiten?

  • Das ist wohl eine Frage der Organisation und der Struktur des eigenen Arbeitens. Ich zum Beispiel brauche Platz. Andere wiederum kommen mit einer Minimalfläche locker zurande und haben noch Fläche über. Pauschalisieren kann man das nicht.

Was würdest Du Kunden raten, die kein Geld für neue Möbel haben, aber trotzdem von zu Hause aus arbeiten? Welche kleinen Tipps kann schon jeder ohne große Mühen und Kosten umsetzen?

  • Zunächst mal sollte die Gesundheit keine Frage des Geldes sein, zumal der Arbeitgeber, unter bestimmten Voraussetzungen, hier mit involviert ist. Grundsätzlich sollte man jedoch nie an einem guten Arbeitsplatz sparen, ebenso wie ich es privat mit einem guten Bett mache. Wir verbringen sehr viel Zeit an unserem Arbeitsplatz und wenn dort gespart wird, bleibt ein Rückenleiden und schlechter Schlaf nicht lange aus. Qualität und Gesundheit hat eben seinen Preis. Es ist zudem hilfreich, bestimmte Regeln im Haushalt aufzustellen – sich selbst mit gewissen Regeln zu versehen – das fängt mit der Kleidungswahl an und hört mit der Feierabendglocke auf. Arbeitszeiten, Strukturen, Zielsetzungen die man aus dem Unternehmen gewohnt ist sollten nicht über Bord geworfen werden. Auch ist es nicht hilfreich, Dinge, die man den Tag über in seine Arbeitszeit einfließen lässt, des Nachts nachzuholen. Dies wird sich nämlich nicht nur am eigenen Leib rächen, sondern auch Konzentration und Beziehung schaden. Man sollte sich ein Umfeld schaffen, das klar die Grenzen des eigenen „Büros“ aufzeigt, ein Raum, in dem man nicht gestört wird. Ich fürchte, dass sich durch das Social Distancing und die häuslichen Belastungen in Zukunft noch ganz andere Krankheitssymptome herauskristallisieren werden – BurnOut, multible Störungen, Depressionen sind nur wenige der möglichen Folgeerscheinungen denen es vorzubeugen gilt. Jetzt landen wir wieder am Anfang unseres Interviews – Umstrukturierung und Nutzung von Activity Based Working ist eine Möglichkeit hier Abhilfe zu schaffen und um die sozialen Distanzen zu überwinden.
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Kategorien: Moderne Arbeitswelten